Schreiben einer Mutter vom 5. November 1940 an das württembergische Innenministerium

Ich bin die Witwe des im Jahr 1930 verstorbenen Staatssekretärs im Reichsverkehrsministerium in Berlin, Dr. Paul K. Mein ältester Sohn Hans ist als Fliegerleutnant und Träger des Ordens pour le mérite im Weltkrieg 1918 gefallen. Jetzt habe ich einen zweiten Sohn Helmut K., geb. am 19.Januar 1899, der auch am Weltkrieg teilgenommen und das E.K. II erworben hatte, auf eine mich tief empörende und kränkende Weise am 7.August 1940 verloren.

[...] Da mir nicht mehr zweifelhaft sein konnte, daß mein Sohn als angeblich unheilbarer Geisteskranker vorsätzlich getötet worden war, mußte mich der weitere Satz des Schreibens: 'Alle unsere ärztlichen Bemühungen blieben leider ohne Erfolg' wegen seiner Unwahrheit tief empören.

Schreiben einer Mutter vom 5. November 1940 an das württembergische Innenministerium, Dokumenten-Sammlung zum Prozeß gegen Prof. Heyde ((Ks 2/63 GStA Frankfurt). Aus: Ernst Klee, Euthanasie im NS-Staat, Frankfurt/M. 1983, S. 316, Anm. 59