Über uns
Gründung des Zentralrats der Juden in Deutschland
Geschrieben von: Florian C. Knab
In einer Situation der doppelten Isolation – Isolation als Parias in der jüdischen Welt und Isolation als verschwindend geringe, psychisch stark geschädigte Minderheit in Deutschland – konstituierte sich die neue jüdische Führung in Deutschland. Verlassen von den internationalen Hilfskräften, verschmäht von anderen Juden in der Welt, quasi nicht-existent in Deutschland, benötigten aber genau diese Menschen auch eine Führung, „einen dringend notwendigen organisatorischen Rahmen“ [1] : den Zentralrat der Juden in Deutschland. „4Die jüdischen Gemeinden und die Rechtsabteilungen jüdischer Hilfsorganisationen hatten sich wegen dieser Frage unabläßig bemüht. Die Länder lehnten es aber grundsätzlich ab, Zahlungen an die Einwohner eines anderen Landes, und sei es auch innerhalb der Bundesrepublik, zu leisten. [...] Daher bestand die Notwendigkeit, zu einer engen Zusammenarbeit aller Gemeinden Deutschlands in Gemeinschaft mit anderen Verfolgtengruppen zu einer einheitlichen Gesetzgebung zu gelangen. Dieses Bedürfnis nach einer zentralen Vertretung machte sich mehr und mehr fühlbar, und zweifellos ist die Problematik der Wiedergutmachung für die Gründung des Zentralrats der Juden in Deutschland ausschlaggebend gewesen.“ [2]
Der „Notwendigkeit“ wurde Folge geleistet: Am 19. Juli 1950 erfolgte die Gründung des Zentralrats der Juden in Deutschland [3] , wobei schon alleine an der Namensgebung der tiefgehende ethnische Bruch zwischen Deutschen und Juden deutlich wird. Vor dem Holocaust hatte sich die wichtigste jüdische Vertretung in Deutschland „Centralverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens“ genannt – nach dem Genozid „war man nicht länger deutscher Jude.“ [4] Schon ein knappes halbes Jahr später, im Januar 1951, wurden die ersten Amtsträger des Zentralrats gewählt: der Rechtsanwalt Hendrik George van Dam als Generalsekretär, und ein Vorstand, der sich aus Vertretern aller Zonen zusammensetzte – Norbert Wollheim für die britische Zone, Philipp Auerbach für die amerikanische, Julius Meyer für die sowjetische Zone, Leonhard Baer für die französische Zone und, den Sonderstatus der Berliner Gemeinde respektierend, Heinz Gallinski als Vorsitzenden der Berliner Gemeinde. Deutlich sichtbar wird schon an der Zusammensetzung der ersten Amtsträger, dass die Ostjuden ausgeklammert wurden.
Waren die dem Zentralrat zugedachten Funktionen eigentlich überwiegend rechtspolitischer Natur, wie es Hendrik George van Dam oben formulierte, so nahm die Dachorganisation aller jüdischen Gemeinden zugleich auch „innerjüdische Belange im Bereich von Gemeinschaft, Religion und Kultur“ [5] wahr. Der Zentralrat ist „seit seiner Gründung die von allen jüdischen Institutionen und Organisationen des In- und Auslandes ebenso wie auch von den deutschen Behörden anerkannte höchste Repräsentanz und der offizielle Sprecher des Judentums in Deutschland.“ [6] Die neu geschaffene Organisation setzt sich aus drei Teilen zusammen: der Ratsversammlung (Gemeindevertretung), dem Direktorium (Vertretung der Landesverbände und Großgemeinden) und dem Präsidium (Exekutive). Die Ratsversammlung ist das oberste Entscheidungsgremium des Zentralrats, das über alle Grundsatzfragen der jüdischen Gemeinschaft in Deutschland befindet. Dem Rat gehören alle Mitgliedsverbände und einzelne Großgemeinden (Berlin, München, Frankfurt und Köln) an. Für die Zeitspanne von jeweils drei Jahren wählt der Rat drei Mitglieder, die dem Präsidium des Zentralrats der Juden in Deutschland angehören. Das Direktorium besteht aus von den einzelnen Mitgliedsverbänden entsandten Vertretern und wählt einen Monat nach der entsprechenden Wahl in der Ratsversammlung aus seiner Mitte weitere sechs Mitglieder, die für die Dauer von drei Jahren dem Präsidium angehören.
Dieses Gremium wiederum wählt aus seinen neun Mitgliedern den Präsidenten sowie zwei Vizepräsidenten, die den Zentralrat gerichtlich vertreten und in der Öffentlichkeit repräsentieren. Der Geschäftsführer führt die laufenden Geschäfte des Zentralrats. [7]
„Inmitten von sorgenerfüllter Unruhe und beklemmender politischer Unsicherheit“ [8] formulierte der Zentralrat seine erste Rosch-Haschana-Botschaft 1951, in der die elementaren Aufgaben der Institution hervorgehoben werden: „Was auch immer die ungewisse Zukunft bringen mag: wir werden stets mahnend und rufend und aufrufend an die Pflicht erinnern, daß unsere Alten, unsere Kranken, unsere Invaliden und unsere Auswanderungsunfähigen nicht allein gelassen werden dürfen.“ [9] In diesen Anfangsjahren neuen institutionellen Lebens kann die organisierte Repräsentanz der Juden in Deutschland also am klarsten als Interessenverband für notleidende Menschen angesehen werden, die auf Entschädigung für den zugefügten Schaden hofften. Offiziell galt das „Hauptaugenmerk der Gründungsväter und -mütter des Zentralrats der Juden in Deutschland der Förderung und Pflege religiöser und kultureller Aufgaben der jüdischen Gemeinden wie auch der Vertretung der gemeinsamen politischen Interessen der jüdischen Gemeinschaft“, wobei sich die Arbeit in ihrem Schwerpunkt auf die Sozialarbeit konzentrieren musste. Harry Maor untersuchte in den Jahren 1957 und 1958 die Budgets einzelner Gemeinden und fand heraus, dass 51,7% der Budgets für Sozialarbeit und Wohlfahrtspflege investiert wurde, während der Anteil für Verwaltung (24,2%), religiöse Zwecke (19,7%) und Erziehung (4,4%) deutlich darunter lag. [10] In jüdischen Gemeinden in anderen Ländern spielten und spielen der religiöse und der Erziehungssektor eine wesentlich größere Rolle, als dies bei den jüdischen Gemeinden in Deutschland der Fall war und noch immer ist.
Primär verbunden mit der Absicht, dass kein Jude je wieder Hilfe aus deutscher Hand würde beantragen müssen, beschloss der Zentralrat auf seiner Sitzung am 19. August 1951, die „Zentralwohlfahrtsstelle als eingetragenen Verein neu zu gründen.“ [11] Obgleich de jure selbständig, ist die ZWST [12] eng mit dem Zentralrat verzahnt, „was wiederum in der weitgehenden Identität der Direktoriumsmitglieder mit dem Vorstand des Zentralwohlfahrtsstelle zum Ausdruck kommt.“ [13] Die Erstgründung der „Zentralwohlfahrtsstelle der deutschen Juden“ im Jahr 1917 hatte die Koordination der vielfältigen sozialen Einrichtungen der jüdischen Gemeinschaft im Sinn - die Neugründung konnte sich dagegen nicht allein auf diese Aufgabe beschränken. In erster Linie musste nun versucht werden, die eklatante Not der Holocaust-Überlebenden zu lindern. Die Neugründung konnte und wollte zudem nicht an die bisher ausgeübte Tradition anknüpfen: Die Umbenennung des Verbandes in „Zentralwohlfahrtsstelle der Juden in Deutschland“ verdeutlicht die Veränderung im Selbstverständnis der ZWST. [14] Dennoch, und hier zeigt sich eine deutliche Diskrepanz, war das „Ziel der Arbeit aber vor allem der Neuaufbau der jüdischen Gemeinschaft in Deutschland.“ [15]
Neuaufbau vs. „Liquidationsgemeinde“
Sahen sich die jüdischen Nachkriegsgemeinden lediglich als Provisorien, als „Gemeinden auf Zeit, die bis zur ihrer Auflösung karitativ tätig sein wollten und Möglichkeiten zur Religionsausübung boten“ [16] , so musste allerdings gerade das Entstehen des Zentralrats und der ZWST neues jüdisches Leben in Deutschland regelrecht zementieren. [17] Weder auf individueller noch auf kollektiver Ebene hat eine bewußte Entscheidung zur Fortsetzung bzw. Neugründung jüdischer Existenz je stattgefunden. Die meisten Mitglieder der Nachkriegsgemeinden sprechen davon, dass es sich in ihrem Fall „einfach so ergeben habe“, und die Gemeinden schufen sich zwar Einrichtungen (Kindergärten, Altersheime, usw.), die den Willen zum dauerhaften Bleiben in Deutschland erahnen lassen, wobei gleichzeitig immerzu der eigene provisorische Charakter betont wurde, womit die Idee der Auswanderung aufs engste verbunden ist. Ausgehend davon, dass nach dem Geschehenen keine jüdische Gemeinde von Dauer errichtet werden könnte, stand in nahezu allen Satzungen der Jüdischen Nachkriegsgemeinden zu lesen: „Aufgabe der jüdischen Gemeinde ist es, die Auswanderung ihrer Mitglieder zu fördern und begleitend zu unterstützen.“ Die Entscheidung zur Gründung des Zentralrats war dagegen eine bewusste Handlung. Dieser grundsätzliche Widerspruch zwischen Gehen und Bleiben ist der Ursprung der Mentalität des Verweilens auf politisch-organisatorischer Ebene. Die Führungsschicht der jüdischen Minderheit in Deutschland hatte dabei, um der Verweiler-Mentalität gerecht zu werden, eine Art „Doppelrolle“ zu spielen. Nach der Auswanderung der „charismatischen Vermittler“ standen für sie im wesentlichen zwei völlig widersprüchliche Funktionen auf der Agenda: Nach Innen gegenüber der jüdischen Gemeinschaft und nach Außen gegenüber dem deutschen Staat und der deutschen Öffentlichkeit. Die Gründung Israels erwies sich dabei für die Vermittlung zwischen den einzelnen jüdischen Gruppierungen in Deutschland als wesentlicher Faktor zur sozialen Schließung der Gemeinschaft, denn erst die Entstehung eines jüdischen Staates in Palästina ermöglichte den Juden in Deutschland – Restgruppe wie Ostjuden – die Schaffung einer positiven, alle inneren Differenzen überwindenden Identität. Robert Guttmann sieht in der Staatsgründung Israels einen „Wendepunkt, als die Überlebenden zum erstenmal wieder das Wort »Würde«, wenn auch nicht im Mund, so doch in ihren Gedanken hatten.“ [18] Viele der Gemeinden waren, vor allem in den ersten beiden Jahrzehnten nach dem Holocaust, vollkommen an Israel orientiert und versuchten, ihre jugendlichen Mitglieder für eine spätere Auswanderung in den jüdischen Staat vorzubereiten. In den Gemeindesälen hingen (und hängen noch immer) Portraits des jeweiligen israelischen Regierungschefs. Verständlich wird daher, dass die erste Grußbotschaft des „Zentralrats der Juden in Deutschland“ auch primär der „jüdischen Welt“, dem „ewigen Israel“, dem „nationalen Aufbruch“ in Israel, „unserer Regierung im Heiligen Land“ und letztendlich „den großen jüdischen Gemeinschaften in aller Welt“ galt. [19] Ohne Israel, so sehen es die Verfasser der Grüße, wäre die „Existenz gerade unserer Leben geistig substanz- und moralisch führerlos.“ [20] Gekoppelt mit dem Faktor Israel war allerdings auch der Gedanke des Zionismus, der, vor allem unter den Ostjuden auf sehr starke Zustimmung stieß. Auseinandersetzungen um die einzuschlagende religiöse Richtung waren in den Gemeinden dementsprechend die Regel – und nicht die Ausnahme. Über die Unterstützung für den Staat Israel bestand Einigkeit, umstritten blieb jedoch aus welcher Position. Immerhin galt der Zionismus als Gefahr für die Etablierung der jüdischen Gemeinschaft in der Bundesrepublik. Ein Zitat des damaligen Generalsekretärs des „Zentralrats“, H. G. van Dam, macht dies deutlich: „Die Neuschaffung der zionistischen Landesvereinigung in der Bundesrepublik hat bereits zu Absichten geführt, betont nichtzionistische Verbände nach der Art des früheren Centralvereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens quasi als Gegengewicht ins Leben zu rufen.[...] Die deutschen Juden von heute sind als Kollektiv zu klein und zu schwach, als daß sie sich Aufsplitterungen in Zionisten und in Nichtzionisten leisten können, [...] und ich bin der Auffassung, daß Juden in Westdeutschland nach Israel gehören, wenn sie sich zur zionistischen Idee bekennen.“ [21] Deutlich wird schon hier, dass pluralistischen Strömungen innerhalb des Systems der jüdischen Minderheit wenig Gegenliebe entgegen gebracht wird. Auf die „feindselige“, „verständnislose“ und „vorsätzlich vergeßliche“ deutsche Umwelt nimmt die erste Botschaft des „Zentralrats“ dagegen nur zwischen den Zeilen Bezug. [22] Im Gegensatz schon zur zweiten Neujahrsbotschaft des Zentralrats im Jahr 1952. Diese ähnelt der ersten zwar, offenbart aber gerade im Hinblick auf die deutsche Umwelt deutliche Unterschiede. Wurde sie 1951 beinahe ausgeblendet, so finden sich schon 1952 vorsichtige, aber deutliche Versuche, sich der deutschen Öffentlichkeit anzunähern, zumal man nicht „mit anderen wegen ihrer Taten oder Unterlassungen rechten“ [23] soll. Weiter heißt es: „Im Geiste menschlicher Verbundenheit übermitteln wir unsere freundschaftlichen Grüße an alle Opfer des Nationalsozialismus, die mit uns gelitten und heroischen Widerstand geleistet haben und an alle diejenigen Persönlichkeiten, die ihren guten Willen durch Tat und Wort unter Beweis gestellt haben.“ [24]
Diese Wende „wie aus heiterem Himmel“ muss doch zunächst verblüffen. Wie ist sie zu erklären? Einerseits steht diese langsam aber sukzessive sich vollziehende Öffnung hin zur deutschen Öffentlichkeit in engem Zusammenhang zur weitgehenden Isolierung der jüdischen Gemeinschaft in Deutschland, die ihren Höhepunkt erreichte, als die internationalen Hilfsorganisationen das Land verließen. Und zum anderen sind die Antriebskräfte für dieses Vorgehen in der Herkunft der neuen jüdischen Elite in der Bundesrepublik zu finden. Diese beschrieb Hans Joachim Schoeps schon 1953 so: „In der Repräsentanz stehen meist Männer, die in Mischehe leben, da diese Gruppe aus den bekannten Tatsachen am ehesten überleben konnte. Diese Mischehen standen vor der Hitlerzeit zumeist nur an der Peripherie des Gemeindelebens und sind jetzt zwangsläufig ins Zentrum gerückt. [25] Knapp zehn Jahre später formulierte Harry Maor kaum anders: „Die nach Kriegsende wiederentstandenen jüdischen Gemeinden Deutschlands wurden von Juden gegründet, die infolge ihrer verwandtschaftlichen Bindungen zum deutschen Volk der berüchtigten „Endlösung“ entgangen waren.“ [26] Und weiter hinten heißt es dazu: „Die neuen Gemeindegründer und Mitglieder gehörten ganz überwiegend zu jenen deutschen Juden, die den natürlichen aktiven und passiven Assimilationsprozess mit seinen Begleiterscheinungen der innerlichen und äußerlichen Loslösung vom Judentum, wie sie sich am sinnfälligsten in den Austritten aus den Gemeinden, der Taufe und der Mischehe dokumentierten.“ [27] Auch der „Spiegel“ gelangte zu der Erkenntnis, „dass die meisten Judengemeinden gleich nach Kriegsende von Männern gegründet wurden, die schon vor und während der Verfolgung nur noch eine flüchtige Bindung zum jüdischen Glauben unterhielten.“ [28] Trotz alledem gibt Maor zu bedenken, dass „selbst wenn man in den Gemeindegründungen nur einen äußeren oder auch nur opportunen Akt sehen will, bleibt er unserer Meinung nach doch noch ein aufzuhellendes Phänomen, und vermutlich werden die für entscheidend anzusehenden Motive auch den Charakter der heutigen jüdischen Gemeinden bestimmen.“ [29] Die Angehörigen der Restgruppe seien durch den Nationalsozialismus zu einer fast geschlossenen Gruppe Verfolgter und Verfemter geworden, die von den sozialen, kulturellen und politischen Angelegenheiten des Landes, das sie ihre Heimat genannt hatten, ausgeschlossen worden waren. [30] Maor stellte außerdem fest, dass „nicht zuletzt infolge der nationalsozialistischen Terminologie oberflächlich Elemente des „Nationalen“ oder „Ethnischen““ [31] in das nach dem Holocaust entstandene jüdische Gemeinschaftsgefühl eindrangen. Heinz Gallinski [32] , Herbert Lewin [33] , Werner Nachmann [34] , Ignatz Bubis [35] und Paul Spiegel [36] - sie alle entstammten bzw. entstammen dem Milieu der Restgruppe und sie repräsentierten das Judentum in Deutschland nach dem Holocaust.
Nicht vergessen werden darf weiterhin, dass die Führungsschicht zwar aus dem Inneren der Gemeinden resultierte, „diese dabei jedoch durch einen Auswahlprozeß mitgestaltet wurde, in dem der junge westdeutsche Staat indirekt eine wesentliche Steuerungsrolle innehatte.“ [37] Diesen Prozess bezeichnet der Soziologe Bodemann als „bürokratische Patronage“, worunter er die „Monopolisierung von Ressourcen materieller und ideeller Art in der Hand einzelner oder einer Führungsgruppe und die Verteilung dieser Ressourcen nach unten durch einen ihnen verfügbaren bürokratischen Apparat“ [38] versteht. Zu verstehen ist das in etwa so: Da es den Funktionsträgern der Minderheit zunächst in erster Linie darum ging, den Überlebenden im Inneren des Systems ein „weiter leben“ zu garantieren, öffnete das geschlossene System der Verweiler seine Außengrenzen. Um Fragen der „Wiedergutmachung“ zu klären – um also nach Innen, zum Wohl des eigenen Systems zu wirken - korrespondierte das System über bestimmte, ausgewählte Kanäle mit der deutschen Öffentlichkeit, bzw. mit deren gewählten Vertretern. So entstanden „Stränge vertikaler Abhängigkeiten nach oben wie unten: auf der einen Seite Kultivierung guter Beziehungen zu einflußreichen Politikern seitens eines Gemeindevorsitzenden, auf der anderen Seite Verteilung dieser Ressourcen nach unten, an politische Freunde und Konformisten, als Instrument zur Disziplinierung der Mitglieder und zur Ausgrenzung innergemeindlicher Minoritäten.“ [39] Am Ende stand so eine relativ gefügige Führung, die den institutionellen, personellen und juristischen Rahmen geschaffen hatte, das organisierte Judentum Deutschland zunächst zu erhalten, zu stabilisieren und später wieder zu neuer Lebenskraft zu erwecken. Pluralistische Strömungen traten dahinter beinahe unsichtbar zurück. Kaum überraschend ist in diesem Zusammenhang, dass die nach dem Holocaust so offenkundige Präsenz von Ostjuden und Remigranten aus Israel in den Rosch-Haschana-Botschaften des Zentralrats nie angesprochen wurden. Die Fixierung auf diese imaginierte Gemeinschaft hat sich erst in der Folge der Einwanderung der Juden aus der Sowjetunion ab 1990 langsam reduziert. [40] Als die Fragen der „Wiedergutmachung“ ab 1955 geklärt schienen, wandte sich der „Zentralrat“ in den Rosch-Haschana-Botschaften mehr und mehr auch an die nichtjüdische Öffentlichkeit. Beispiel 1966: „Das Überleben einer Katastrophe, die uns nicht nur aus Deutschland und Europa vertreiben, sondern für immer vernichten sollte, begründet nicht nur Rechte, sondern auch ernste Verpflichtung. Hierzu gehört, daß wir [...] aufs äußerste wachsam sein müssen gegenüber allen Erscheinungen, die mit Humanität nicht vereinbar sind.“ [41] Das hier anklingelnde Thema der „Wachsamkeit“ wandelte sich im Verlauf der nächsten knapp 20 Jahre in den Topos des „Mahnens“. Sowohl die Rolle des Wachsamen als auch des Mahnenden stand jeweils unter der Prämisse der scheinbaren „Normalisierung der Beziehungen“ der beiden Systeme. War 1950 noch von Israel als „unserem Staate“ die Rede, so heißt es 1984: „Die jüdische Gemeinschaft in der Bundesrepublik ist ein loyaler, trotz ihrer kleinen Zahl zur Mitarbeit in allen Bereichen bemühter Teil der deutschen Gesellschaft.“ Damit hatte sich der Adressat der Botschaft im Laufe der Jahre deutlich verändert: Angesprochen wurde primär die deutsche Öffentlichkeit und immer weniger die jüdische Gemeinschaft selbst. Im Gegensatz zum isolationistischen Leben der einzelnen jüdischen Individuen, propagierte die jüdische Elite über die Jahre hinweg so etwas wie wieder entstandene „Normalität“ zwischen Mehrheitsgesellschaft und Minderheit. Diese Führung sprach dabei für eine von ihnen völlig falsch dargestellte Gemeinschaft. Sie sprach obendrein vor allem für sich selbst, und nicht für das Gros ihrer mehrheitlich ostjüdischen Mitglieder. Deutlich wird die wachsende Diskrepanz zwischen Mitgliedern und Repräsentanz in einem Artikel in der „Allgemeinen“: „Welche Wandlung hat aber unsere eigene Beziehung (oder Nichtbeziehung) zur Umwelt durchgemacht? [...] Für den Großteil der Menschen war das Erlebnis jener 1000 Jahre so furchtbar, daß sie von dem traumatischen Schock sich nie restlos erholt und gelöst haben.“ [42] Zumeist leben die Mitglieder der jüdischen Elite auch nicht isoliert von der deutschen Umwelt – ein Ergebnis des Prozesses der administrativen Patronage. Seinen Höhepunkt erlebte diese Entwicklung mit der Wahl von Ignatz Bubis zum Vorsitzenden des Zentralrats als Nachfolger von Heinz Gallinski. „Dem verschlossenen, bitteren Berliner folgt ein Mann, den seine Mitmenschen persönlich immer gemocht haben. Nach einem Juden von Beruf übernimmt ein Jude mit Beruf die Rolle des öffentlichen Erinnerers“, wie der „Spiegel“ den Führungswechsel beschrieb. [43]
Bubis wollte nicht, wie seine Vorgänger, allein mit Worten mahnen. „Unbeirrbar hetzt er seither herum, um sich den Bundesbürgern als „deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens“ darzubieten und einer skeptischen Öffentlichkeit in alle Welt von der relativen „Normalität“ jüdischen Lebens in Deutschland zu künden.“ [44] Um am Ende beinahe völlig resignierend einzugestehen: „Ich betone heute kaum noch in der früheren Intensität meine Identität als deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens. Die Mehrheit der Gesellschaft sieht Juden nicht als solche und will sie auch so nicht sehen. Wir werden [...] als Fremde, als Israelis, als Ausländer, als Rasse, als alles Mögliche betrachtet, aber nur selten als deutsche Staatsbürger.“ [45] Bubis` Frau teilte die Leidenschaft ihres Mannes, als Deutscher jüdischen Glaubens anerkannt zu werden, nicht; der Generation seiner Tochter und deren Bekannten gilt die „Nation“ im Zeichen der zahlreichen Minderheiten in der Bundesrepublik als kaum etwas anderes als pure historische Romantik.
„4Sind sie nicht alle Fremde in der Gesellschaft von Individualisten?“, fragte der „Spiegel“. Um die Frage zu beantworten, rückerinnern wir uns kurz an die Definition des Fremden von Simmel: Er beschrieb den Fremden als jemand, der die „Gelöstheit des Kommens und Gehens nicht ganz überwunden hat.“ Wenn wir diese Definition nun auf die Elite der jüdischen Minderheit in Deutschland nach dem Holocaust anwenden wollen, so sollten wir zunächst die
oben genannte „Gelöstheit“ durch die noch immer nicht überwundene Differenz zwischen Gehen und Bleiben ersetzen, oder anders formuliert: Neuaufbau der jüdischen Gemeindestrukturen zum Erhalt jüdischen Lebens in der (ab 1990 wiedervereinigten) Bundesrepublik vs. den Mythos von den „Liquidationsgemeinden.“ Diese Differenz ist bis heute nicht überwunden, wobei gerade das rapide Anwachsen der Gemeinden durch die Einwanderer aus der ehemaligen Sowjetunion jüdisches Leben – wie auch immer es weiter verlaufen wird – immer fester in der Bundesrepublik etablieren wird. Ein Schritt zur Differenz-Reduktion wäre die Umwandlung des „Zentralrats der Juden in Deutschland“ in einen „Bundesverband deutscher Juden“. Aber offensichtlich hat sich auch innerhalb der Repräsentanz die „Koffer-Existenz“ bzw. die Verweiler-Mentalität verfestigt. Oder, wie Doris Kuschner folgerte, handelt es sich beim Verhalten der jüdischen Eliten um „zwei Seiten der gleichen Münze“ [46] : nach Innen und nach Außen zum Wohl und Fortbestand des Systems der jüdischen Minderheit in der Bundesrepublik.
Autor: Florian C. Knab
Literatur
Benz, Wolfgang: Zwischen Antisemitismus und Philosemitismus. Juden in der Bundesrepublik, Berlin 1991
Brenner, Michael: Juden in Deutschland 1945-1950. München 1995 Brumlik, Micha/Kiesel, Doron/ Kugelmann, Cilly/ Schoeps, Julius H. (Hg.): Jüdisches Leben in Deutschland seit 1945. Frankfurt/Main 1988. Bodemann, Y. Michal: Die Endzeit der Märtyrer-Gründer. An einer Epochenwende jüdischer Existenz in Deutschland. in: Babylon. Beiträge zur jüdischen Gegenwart. Nr. 8/1990, S. 7-15. Bodemann, Y. Michal: Grüße zu Rosch Haschana in der Allgemeinen Jüdischen Wochenzeitung, 1950 1988. Eine Chronologie. in: Babylon. Beiträge zur jüdischen Gegenwart. Nr. 8/1990, S. 105-116. Bodemann, Y. Michal: Gedächtnistheater. Die jüdische Gemeinschaft und ihre deutsche Erfindung. Hamburg 1996. Bodemann, Y. Michal: Mentalitäten des Verweilens. Der Neubeginn jüdischen Lebens in Deutschland. in: Schoeps (Hg.): Leben im Land der Täter. Juden im Nachkriegsdeutschland (1945-1952), S. 15-33.
Bubis, Ignatz: Ich bin ein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens. Ein autobiographisches Gespräch mit Edith Kohn. Köln 1993.
Burgauer, Erica: Jüdisches Leben in Deutschland (BRD und DDR) 1945-1990. Dissertation Universität Zürich 1992.
Maor, Harry: Über den Wiederaufbau der jüdischen Gemeinden in Deutschland seit 1945. Dissertation Universität Mainz 1961, bis heute unveröffentlicht
Romberg, Otto R./Urban-Fahr, Susanne (Hg.): Juden in Deutschland nach 1945. 2. Auflage Bonn 2000, 1. Auflage Frankfurt/Main 1999 Spiegel, Paul: Wieder zu Hause? Erinnerungen. Berlin 2001.
Anmerkungen
[1] Paul Spiegel, Wieder zu Hause? Erinnerungen, S. 108.
[2] Hendrik George van Dam, in: Franz Böhm/Walter Dirks (Hg.), Judentum – Schicksal, Wesen, Gegenwart, Bd. II, Wiesbaden 1965, S. 899f.
[3] seit Januar 1963 ist der Zentralrat eine Körperschaft des öffentlichen Rechts (K.d.ö.R.).
[4] Paul Spiegel, Wieder zu Hause? Erinnerungen, S. 108.
[5] aus dem Kapitel über den Zentralrat der Juden in Deutschland, in: ZWST (Hg.), Leitfaden für jüdische Zuwanderer aus der ehemaligen Sowjetunion, S. 16.
[6] Harry Maor, Über den Wiederaufbau der jüdischen Gemeinden seit 1945, S. 91.
[7] vgl. die Homepage des Zentralrats der Juden in Deutschland im World Wide Web. Der Vorstand setzt sich z. Zt. aus folgenden Personen zusammen: Präsident des Zentralrats: Paul Spiegel, Vizepräsidenten: Charlotte Knobloch, Dr. Michel Friedman, Präsidium: Daniel Ajzensztejn, Nathan Kalmanowicz, Dr. Dieter Graumann, Dr. Salomon Korn, Dr. Josef Schuster, Johann Schwarz, Geschäftsführer: Stephan J. Kramer.
[8] Damit ist die schon erwähnte veränderte internationale Situation gemeint, d. Verf.
[9] Rosch-Haschana-Grüße von 1950, veröffentlicht in der Allgemeinen Jüdischen Wochenzeitung, abgedruckt bei: Y. Michal Bodemann, Grüße zu Rosch Hachana in der Allgemeinen Jüdischen Wochenzeitung, 1950-1988. Eine Chronologie, in: Babylon 8/1991, S. 106.
[10] Harry Maor, Über den Wiederaufbau der jüdischen Gemeinden seit 1945, S. 134. Die Zahlen beziehen sich auf eine Zeit, als die Gemeinden fast alle heute bestehenden Einrichtungen wie Altersheime, Kindergärten, Jugendzentren, z.T. auch Synagogen aufgebaut und die Gemeinden des Status des Provisorischen bereits abgelegt hatten.
[11] Brief vom 24. August 1951 zur Neugründung der Zentralwohlfahrtsstelle der Juden in Deutschland, abgedruckt in: Zedaka. Jüdische Wohlfahrtshilfe im Wandel der Zeit. 75 Jahre Zentralwohlfahrtsstelle der Juden in Deutschland 1917-1992, Frankfurt/Main 1992, S. 366.
[12] Am Anfang hatte die ZWST ihren Sitz in Hamburg, heute ist der Sitz in Frankfurt/Main. Mitglieder der ZWST sind die auf S. 70/71 aufgezählten 20 Landesverbände und darüber hinaus der Jüdische Frauenbund Deutschlands und die gemeinnützige BetriebsgmbH Kurheim Eden-Park.
[13] Harry Maor, Über den Wiederaufbau der jüdischen Gemeinden seit 1945, S. 92.
[14] Erhalten hat sich jedoch zwischen der „alten“ und der „neuen“ ZWST der Rückgriff auf die Tradition der jüdischen Wohlfahrt, der mit dem hebr. Begriff „Zedaka“ (dt. Wohltätigkeit) beschrieben wird. „Zedaka“ steht in der jüdischen Religion für das Verständnis von Wohltätigkeit, und ist kein freiwilliger Akt, sondern eine der wichtigsten religiösen Pflichten.
[15] ZWST, Geschichte und Aufgabenbereiche, S. 2.
[16] Ignatz Bubis im TRIBÜNE-Gespräch, in: Romberg/Urban-Fahr, Juden in Deutschland nach 1945, S. 12.
[17] Auch andere jüdische Organisationen begannen, in Deutschland ihre Aktivitäten zu entfalten, wie etwa die Zionistische Jugend Deutschlands (ZJD), die Women´s International Zionist Organisation (WIZO), der Jüdische Frauenbund, die Vereinigung der Jüdischen Gewerbetreibenden, und die Gesellschaften für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit. Gegründet wurden außerdem Logen des B´nai-Brith-Ordens, die Vorträge über Politik und Kunst organisierten, aber dennoch primär dem gesellschaftlichen Beisammensein dienten. Beinahe jeder erdenkliche Lebensbereich schien von der einen oder anderen jüdischen Organisation über die Jahre hinweg abgedeckt worden zu sein, vom Sportverein „Maccabi“ bis zu dem Heiligen Verband (hebr. Chewra kaddischa, dt. religiöse Beerdigungbrüderschaft).
[18] Robert Guttmann, Ohne Anfang und ohne Ende. Stationen jüdischen Lebens in Deutschland, in: Romberg/Urban-Fahr (Hg.), Juden in Deutschland nach 1945, S. 46.
[19] Rosch-Haschana-Grüße von 1950, veröffentlicht in der Allgemeinen Jüdischen Wochenzeitung, abgedruckt bei: Y. Michal Bodemann, Grüße zu Rosch Hachana in der Allgemeinen Jüdischen Wochenzeitung, 1950-1988. Eine Chronologie, in: Babylon 8/1991, S. 105ff.
[20] Rosch-Haschana-Grüße von 1950, veröffentlicht in der Allgemeinen Jüdischen Wochenzeitung, abgedruckt bei: Y. Michal Bodemann, Grüße zu Rosch Hachana in der Allgemeinen Jüdischen Wochenzeitung, 1950-1988. Eine Chronologie, in: Babylon 8/1991, S. 106.
[21] Harry Maor, Über den Wiederaufbau der jüdischen Gemeinden seit 1945, S. 100.
[22] Rosch-Haschana-Grüße von 1950, veröffentlicht in der Allgemeinen Jüdischen Wochenzeitung, abgedruckt bei: Y. Michal Bodemann, Grüße zu Rosch Hachana in der Allgemeinen Jüdischen Wochenzeitung, 1950-1988. Eine Chronologie, in: Babylon 8/1991, S. 105ff.
[23] Rosch-Haschana-Grüße von 1951, veröffentlicht in der Allgemeinen Jüdischen Wochenzeitung, abgedruckt bei: Y. Michal Bodemann, Grüße zu Rosch Hachana in der Allgemeinen Jüdischen Wochenzeitung, 1950-1988. Eine Chronologie, in: Babylon 8/1991. S. 106f.
[24] Rosch-Haschana-Grüße von 1951, veröffentlicht in der Allgemeinen Jüdischen Wochenzeitung, abgedruckt bei: Y. Michal Bodemann, Grüße zu Rosch Hachana in der Allgemeinen Jüdischen Wochenzeitung, 1950-1988. Eine Chronologie, in: Babylon 8/1991. S. 106f.
[25] Hans Joachim Schoeps: Jüdischer Glaube und jüdisches Gesetz heute. in: Heinz Ganther (Hg.), Juden in Deutschland 1952 – ein Almanach. 2. Auflage Hamburg 1959., S. 166.
[26] Harry Maor, Über den Wiederaufbau der jüdischen Gemeinden seit 1945, S. 1.
[27] Harry Maor, Über den Wiederaufbau der jüdischen Gemeinden seit 1945, S. 4.
[28] „Heimstätte auf verfluchter Erde?“ in: Der Spiegel, 13/1963, S. 27.
[29] Harry Maor, Über den Wiederaufbau der jüdischen Gemeinden seit 1945, S. 4f.
[30] Harry Maor, Über den Wiederaufbau der jüdischen Gemeinden seit 1945, S. 5.
[31] Harry Maor, Über den Wiederaufbau der jüdischen Gemeinden seit 1945, S. 5.
[32] Heinz Galinski wurde am 28. November 1912 in Marienburg (Westpreußen) geboren. Der gelernte Textilkaufmann wurde 1943 nach Auschwitz deportiert, nach Buchenwald verschleppt und schließlich am 20. April 1945 aus dem Konzentrationslager Bergen-Belsen befreit. Galinski wurde im April 1949 zum ersten Vorsitzenden der jüdischen Gemeinde zu Berlin gewählt. Von 1954-1963 amtierte er als Vorsitzender des Zentralrats; dieses Amt übte er dann noch einmal von 1988-1992 aus. Der Ehrenbürger der Stadt Berlin (1987) starb am 19. Juli 1992.
[33] Herbert Lewin wurde am 1. April 1899 in Schwarzenau geboren. Nach seinem Medizinstudium arbeitete er in der jüdischen Poliklinik in Berlin, ab 1937 bis zu seiner Deportation als Chefarzt im jüdischen Krankenhaus in Köln. Nach seiner Befreiung nahm er seine Arzttätigkeit wieder auf. Er war von 1963-1969 Vorsitzender des Zentralrats. Der Professor für Medizin starb am 21. November 1982 in Wiesbaden.
[34] Werner Nachmann wurde am 12. August 1925 in Karlsruhe geboren. Nach seiner Emigration im Jahre 1938 kehrte er 1945 in seine Heimatstadt zurück. Nachmann amtierte von 1969-1988 als Vorsitzender des Zentralrats. Nach seinem Tod am 21. Januar 1988 in Karlsruhe wurde der Verdacht erhoben, Nachmann habe während seiner Amtszeit als Vorsitzender des Zentralrats der Juden in Deutschland in den Jahren 1981 bis 1987 über 30 Millionen Mark veruntreut. Der Verbleib der hauptsächlich aus Zinserträgen von Wiedergutmachungszahlungen bestehenden Gelder ist bis heute weitgehend ungeklärt geblieben.
[35] Ignatz Bubis wurde am 12. Januar 1927 in Breslau geboren. Nach seiner Befreiung aus dem Konzentrationslager lebte er in Frankfurt, wo er seit 1983 den Vorsitz der jüdischen Gemeinde innehatte. Von 1992 bis 1999 war er Vorsitzender des Zentralrats. Ignatz Bubis starb am 13. August 1999 in Frankfurt.
[36] Paul Spiegel wurde am 31. Dezember 1939 im westfälischen Warendorf in Westfalen geboren. Den Naziterror überlebte er versteckt in Belgien. Nach Kriegsende kehrte er nach Warendorf zurück. Spiegel volontierte bei der Allgemeinen Jüdischen Wochenzeitung, heute Jüdische Allgemeine, deren Geschäftsführer er später in seiner Eigenschaft als Vizepräsident des Zentralrats wurde. Der Inhaber einer Künstleragentur in Düsseldorf wurde im Januar 2000 zum Präsidenten des Zentralrats der Juden in Deutschland gewählt.
[37] Y. Michal Bodemann, Gedächtnistheater. Die jüdische Gemeinschaft und ihre deutsche Erfindung, S. 37.
[38] Y. Michal Bodemann, Gedächtnistheater. Die jüdische Gemeinschaft und ihre deutsche Erfindung, S. 37.
[39] Y. Michal Bodemann, Gedächtnistheater. Die jüdische Gemeinschaft und ihre deutsche Erfindung, S. 37.
[40] Also die jüdische Minderheit nach dem Holocaust als Fortsetzung des alten deutschen Judentums, d. Verf.
[41] Rosch-Haschana-Grüße von 1966, veröffentlicht in der Allgemeinen Jüdischen Wochenzeitung, abgedruckt bei: Y. Michal Bodemann, Grüße zu Rosch Hachana in der Allgemeinen Jüdischen Wochenzeitung, 1950-1988. Eine Chronologie, in: Babylon 8/1991. S. 112.
[42] Allgemeine vom 14. Mai 1971.
[43] Der Spiegel, 15/1996, S. 42-49, S. 42.
[44] Der Spiegel, 15/1996, S. 42-49, S. 42.
[45] Ignatz Bubis im TRIBÜNE-Gespräch, in: Romberg/Urban-Fahr, Juden in Deutschland nach 1945, S. 19.
[46] Doris Kuschner, Die jüdische Minderheit in der Bundesrepublik Deutschland, S. 106-119.
