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Noch einmal: Gegen Apion. Der neue kulturelle Antisemitismus.
Geschrieben von: Miriam Magall
Um das Jahr 100 d.Z. verfasst der römische Bürger judäischer Abstammung mit dem Namen Flavius Josephus in Rom seine Schrift Gegen Apion. Schrieb er zuvor über die Geschichte seines Volkes, tritt er in diesem Text für sein vielfach geschmähtes, verleumdetes Volk ein. Denn schon lange vor der Zeitwende, also noch vor der Zerstörung des zweiten Tempels, hat es in Kleinasien, Ägypten und Nordafrika, in Griechenland und Italien, ja sogar im fernen Spanien, Gallien und Germanien gehässige Angriffe auf Juden gegeben.
Schon damals wurden Hass und Neid auf die jüdischen Mitbürger geschürt dank gehässiger Hetzschriften aus der Feder von Chairemon, Lysimachos und Apion, um lediglich die bekanntesten zu nennen. Ihre üble Weisheit über die Juden schöpften alle drei Autoren aus noch älteren Quellen: u.a. aus den Werken des ägyptischen Oberpriesters Manetho.
Flavius Josephus und die Verfasserin dieser Zeilen trennt eine Zeitspanne von beinahe zweitausend Jahren. Und doch wirkt das damals verträufelte Gift bis zum heutigen Tag fort, wenngleich es in West- und Mitteleuropa im Augenblick glücklicherweise nicht zu den tätlichen Übergriffen, Pogromen und Metzeleien von Juden kommt, die bis in die Mitte des 20. Jahrhunderts immer wieder aufflammten. Aber auch die unzähligen Nadelstiche sind mehr als beredt. Der eine meint, man dürfe doch seine Meinung sagen, der andere spricht hinter -- noch -- vorgehaltener Hand von jüdischer Weltverschwörung und jüdischem Kapital, das die Welt umspannt.
Spätestens seit dem Herbst 1985 zeichnet sich ein „Ende der Schonzeit“ für Juden ab. Damals sollte in Frankfurt in den Kammerspielen ein Stück des Filmemachers und Dramatikers Rainer Werner Fassbinder mit dem Titel Der Müll, die Stadt und der Tod aufgeführt werden. Im Juni 1986 löste der in der Frankfurter Allgemeinen veröffentlichte Vortrag des Berliner Historikers Ernst Nolte, der unter dem Motto “Ende der Schonzeit“ stand, den berühmten Historikerstreit aus. Und auch Martin Walsers Rede in der Paulskirche im Herbst 1998 markiert das Ende eben dieser Schonzeit.
Auch die Wissenschaftler wollen anscheinend nicht abseits stehen. Im Namen der Wissenschaft verbreiten sie ihre neuen „Wahrheiten“ über die Juden, über ihre Religion und ihre Kultur, über Israel und seine Entstehungsgeschichte. Sie haben die Verfasserin dieser Zeilen dazu inspiriert, ihre Werke, insgesamt achtzehn Sachbücher über Jüdisches und Israelisches, jüdische Kultur, Geschichte und Religion, einer kritischen sprachwissenschaftlichen Analyse zu unterziehen. Dabei kommen weder Fragen der richtigen Anwendung der Fachsprache Jüdisches und Judentum zu kurz, noch die der richtigen Schreibung und Benennung von Orten, historischen Plätzen und Fakten.
Das Spektrum der untersuchten Sachbücher beginnt mit einem jüdischen Kochbuch, fährt fort mit Katalogen über Ausstellungen, in deren Mittelpunkt Jüdisches steht, und übergeht nicht die populärwissenschaftlichen Äußerungen bekannter Fachleute und Professoren. Dabei wird auch der Frage nachgegangen, inwieweit jüdische bzw. israelische Autoren antijüdische und antiisraelische Stereotypen so gut verinnerlicht haben, dass ihnen nicht einmal auffällt, dass sie sie mit derselben Leichtigkeit bedienen wie ihre nichtjüdischen Kollegen. Die Verfasserin dieser Zeilen konnte überdies nicht der Versuchung widerstehen, Übersetzer und Redakteure unter die Lupe zu nehmen. Sind sie doch zum Teil verantwortlich für falsche Benennungen und Schreibungen, die zu der von der Verfasserin dieser Zeilen beklagten Verzerrung der Fakten führen. Sozusagen als Sahnehäubchen kommen zum Schluss die so genannten christlichen Alttestamentler mit ihren zeitweise geradezu abstrusen Theorien über Jüdisches und Judentum zu Wort.
Nach einer eingehenden Diskussion und Interpretation der erfolgten Analyse kommt die Verfasserin dieser Zeilen zu einem hoffentlich nicht nur für sie erschreckenden Schluss. Genau wie Flavius Josephus vor beinahe zweitausend Jahren kann sie seine damalige Aussage erneut bekräftigen: Ja, der neue kulturelle Antisemitismus ist in der Mitte der Gesellschaft angekommen. Dieses Buch soll die Augen dafür öffnen.
München, im November 2006
Autorin: Miriam Magall
Über die Autorin
Miriam Magall ist Sprachwissenschaftlerin und Kunsthistorikerin; sie arbeitet als Publizistin, Konferenzdolmetscherin und Übersetzerin (12 erlernte Sprachen, 6 Arbeitssprachen; 260 übersetzte Bücher) und lebte bis 1988 in Tel-Aviv, Israel; danach in Heidelberg, und seit 2002 wohnt sie in München. Die Autorin sucht einen Verlag, dem dieses Thema genau wie ihr am Herzen liegt und bereit ist, das Manuskript zu veröffentlichen.
